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Nachrichten - 20. November 2025

Wie kommen deutsche Gewehre in den sudanesischen Bürgerkrieg?

Geflüchtete aus dem Sudan in einem Lager im Tschad. In dem Krieg sollen auch deutsche Waffen zum Einsatz kommen.
Geflüchtete aus dem Sudan in einem Lager im Tschad. Foto: Henry Wilkins/VOA (gemeinfrei)

Die UN nennen den Bürgerkrieg im Sudan die größte humanitäre Krise unserer Zeit. Gräueltaten der RSF-Miliz an der Zivilbevölkerung in Al-Fashir sorgten unlängst für Entsetzen. Doch darüber hinaus erfährt der Krieg kaum Aufmerksamkeit. Nun wurde bekannt, dass deutsche und europäische Waffen in der Region eingesetzt werden. Wie konnten sie trotz Embargos dorthin gelangen? Ein Verdacht liegt nahe. 


Der Krieg im Sudan ist komplex - es geht um Macht, Identität und Ressourcen. Seit April 2023 kämpfen die Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan (Sudanese Armed Forces, SAF) und die Miliz seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo (Rapid Support Forces, RSF) gegeneinander. Mit fatalen menschlichen Konsequenzen.

Im andauernden Krieg sind bisher schätzungsweise 150.000 Menschen ums Leben gekommen, fast 14 Millionen wurden vertrieben. Nirgendwo sonst mussten so viele Menschen vor Krieg und Gewalt fliehen. Mehr als 20 Millionen sind von Hunger bedroht. Beiden Seiten des Konflikts werden Kriegsverbrechen und schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Ausländische Einflussnahme

Auch ausländische Akteure nehmen Einfluss auf den Konflikt. So unterstützen beispielsweise Ägypten und Saudi-Arabien die SAF, während die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als Hauptunterstützer der RSF-Miliz gelten. Die Emirate dementieren zwar, Waffen zu liefern, doch ein Bericht der UN-Expertengruppe zum Sudan (Januar 2024) kommt zu anderen Ergebnissen.

Seit 1994 gilt ein EU-Waffenembargo gegen das Land. Europäische Waffen dürfen nicht in den Sudan eingeführt werden, auch nicht auf Umwegen über Drittstaaten. Dennoch tauchen dort immer wieder europäische Waffen und Rüstungsgüter auf. So wurden beispielsweise von Bulgarien in die VAE gelieferte Mörsergranaten im Sudan gefunden.


Rüstungsgüter aus Europa im Sudan

Gepanzerte Militärfahrzeuge des Herstellers NIMR - Teil des staatlichen Rüstungskonglomerats EDGE aus den VAE - fahren auf sudanesischen Straßen und wurden auch von der RSF eingesetzt. Im November 2024 zeigte eine Amnesty-Recherche, dass darin auch französische Militärtechnologie steckt - ein Abwehrsystem des Herstellers "Lacroix Defense".

Zudem sollen spezielle Motoren aus Großbritannien verbaut sein. Das ARD-Magazin "Report Mainz" berichtet in seiner Sendung vom 18. Novmber 2025, dass in den NIMR-Fahrzeugen auch deutsche Komponenten zu finden sind: Ein Klimasystem des Herstellers Webasto ist auf Aufnahmen erkennbar, die aus dem Sudan stammen sollen.

Deutsche Gewehre im sudanesischen Bürgerkrieg?

"Report Mainz" berichtet zudem über Fotos, auf denen ein RSF-Kämpfer augenscheinlich mit einer Variante des G36-Gewehrs von "Heckler & Koch" posiert. Der Kleinwaffenhersteller hat bestätigt, dass die Waffen auf den Bildern "wie Varianten des G36" aussehen. Darüber hinaus - so betont Heckler & Koch - ließen die Aufnahmen jedoch keinerlei gesicherte Rückschlüsse zu.

Ob und wie Heckler & Koch-Waffen in den Sudan-Krieg gelangt sind, könne man "ohne Kenntnis der Seriennummer nicht beurteilen", so der Kleinwaffenhersteller. Das zeigt einmal mehr, dass der Endverbleib von Kleinwaffen kaum kontrollierbar ist. Deshalb setzt sich Ohne Rüstung Leben seit langem für ein Kleinwaffenexportverbot ein.


Waffenstrom in den Sudan

Doch nicht nur Waffen aus Europa, sondern auch aus Ländern wie China, Russland, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Jemen finden Waffen ihren Weg in den Sudan. Amnesty International sprach 2024 von einem "nicht versiegenden Waffenstrom". In der Kriegsregion Darfur wurden Lenkbomben und Haubitzen aus chinesischer Produktion eingesetzt, die mit ziemlicher Sicherheit von den VAE an die RSF geliefert wurden.

Das wäre ein eklatanter Verstoß gegen das Waffenembargo der UN für die Region Darfur! Die Einnahme der Stadt Al-Fashir in dieser Region durch die RSF-Miliz ging mit massenhaften Gräueltaten an der Zivilbevölkerung einher. Beobachter hatten davor seit Monaten gewarnt. Doch die Not der Menschen war nur für kurze Zeit in den Schlagzeilen - der Krieg im Sudan ist ein "ignorierter Krieg".


Keine deutschen Waffen für Embargobrecher!

Die Bundesregierung ignoriert ihrerseits die offensichtliche Gefahr, dass an die VAE gelieferte Rüstungsgüter letztlich in den Sudan weitergeleitet werden. Dabei sind die Emirate nicht zum ersten Mal mit dem Vorwurf konfrontiert, Waffenembargos zu brechen: auch nach Eritrea, Somalia oder Libyen sollen Waffen gelangt sein. Internationale Regeln für den Waffenhandel sehen vor, dass solche Embargobrüche Folgen für künftige Exporte haben. Dennoch genehmigte Deutschland allein 2024 Rüstungsexporte in Höhe von fast 150 Millionen Euro an die VAE. In den letzten zehn Jahren waren es mehr als 1 Milliarde Euro.

Ohne Rüstung Leben fordert, alle Rüstungsexporte an die VAE zu stoppen. Nur so kann sichergestellt werden, dass deutsche Waffen nicht in den Sudan weitergegeben werden und dort den Krieg anheizen oder bei Gräueltaten gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden. Angesichts des Leids von Millionen Sudanesinnen und Sudanesen muss Deutschland außerdem den Druck auf die Emirate erhöhen und sich für ein umfassendes UN-Waffenembargo für den gesamten Sudan - mit wirksamen Kontrollmechanismen - starkmachen. 

 

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