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Nachrichten - 17. Dezember 2025

GKKE-Bericht 2025: Deutsche Rüstungsexporte erreichen immer neue Rekordwerte

Ein U-Boot vom Typ 214 in der TKMS-Werft in Kiel, U-Boote dieser Klasse sollen auch an Indien geliefert werden
Foto: GDK, commons.wikimedia.org/wiki/File:S-120_Papanikolis_1.jpg, CC BY-SA 3.0 [Lizenz]

Aus Deutschland wurden 2024 Waffen und Rüstungsgüter im Wert von fast 15,7 Milliarden Euro exportiert. Der größte Teil davon ging an Länder außerhalb von EU und NATO. Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) kritisiert die Bundesregierung in ihrem aktuellen Rüstungsexportbericht scharf.


Laut dem nun erschienenen Bericht der GKKE betrug der Wert der genehmigten Rüstungsexporte 2024 insgesamt fast 15,7 Milliarden Euro. Die Einzelausfuhrgenehmigungen beliefen sich auf rund 12,8 Milliarden Euro - und lagen damit noch einmal über dem bereits extrem hohen Wert des Vorjahres. 

88 Prozent davon - über 11,2 Milliarden Euro - gingen an Drittstaaten, die weder der NATO angehören noch gleichgestellt sind. Hauptempfängerland war die Ukraine (8,1 Milliarden Euro). Darüber hinaus gehörten 2024 auch Singapur (1,2 Milliarden), Algerien (558 Millionen), Indien (224 Millionen), Israel (163 Millionen) und die Vereinigten Arabischen Emirate (146 Millionen Euro) zu den wichtigsten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie. 


Rüstungsdiplomatie mit Indien höhlt internationale Normen aus

Schwerpunktland des diesjährigen GKKE-Rüstungsexportberichtes ist Indien. Die Bundesregierung verfolgt demnach seit einigen Jahren eine neue Form der Rüstungsdiplomatie, um Indien stärker an den Westen zu binden. Ziel ist es, die Abhängigkeit des Landes von russischen Waffenlieferungen zu verringern und Delhi als Gegengewicht zu China im Indo-Pazifik zu stärken.

Diese Strategie analysiert die GKKE ausführlich und kommt zu dem Schluss, dass sie vor dem Hintergrund der umfangreichen inneren und äußeren Konflikte Indiens kritisch zu sehen ist. Die Hoffnung, das Land durch erleichterte Exporte von Russland zu lösen, erscheine bei genauerer Betrachtung unrealistisch und riskiere vielmehr eine Aushöhlung internationaler Normen.

 
Rüstungsexport-Entscheidungen nicht nach wirtschaftlichen Interessen fällen

Im vergangenen Jahr hatte die GKKE die Bundesregierung aufgefordert, keine Rüstungsgüter mehr an Israel zu liefern, die im Gazastreifen eingesetzt werden können. Am 8. August 2025 verhängte Berlin einen entsprechenden Lieferstopp, dieser wurde mittlerweile aber wieder aufgehoben. Das lehnt die GKKE als deutlich verfrüht ab.

Zudem kritisiert die Fachgruppe aktuelle Tendenzen der Bundespolitik, Rüstungsexporte zunehmend unter wirtschaftlichen und strategischen Gesichtspunkten zu bewerten. Sie fordert die Bundesregierung erneut auf, Entscheidungen über Rüstungsexporte nicht vornehmlich an Interessen der Außen-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik auszurichten, sondern den Aspekten Menschenrechte, Demokratie und Frieden Priorität einzuräumen.


Jährlicher Rüstungsexportbericht

Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) ist ein evangelisch-katholischer Arbeitsverbund zur Entwicklungspolitik. Seit 1997 veröffentlicht die GKKE-Fachgruppe Rüstungsexporte jährlich einen ausführlichen Bericht, der die deutsche Rüstungsexportpolitik dokumentiert und kritisch einordnet. Charlotte Kehne - Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei Ohne Rüstung Leben - ist Mitglied der Fachgruppe.

 

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Voraussichtlich ab Februar 2026 ist der neue GKKE-Rüstungsexportbericht auch in gedruckter Form erhältlich. Kostenlose Exemplare können Sie dann wie gewohnt bei Ohne Rüstung Leben bestellen.

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