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Nachrichten - 3. Oktober 2026

Große Bühne für Protest gegen Aufrüstung und Wehrpflicht: Mehr als 20.000 bei UNZWINGBAR-Konzertkundgebung

Konzertkundgebung "Unzwingbar" gegen Krieg und Wehrpflicht mit 20.000 Teilnehmenden in Berlin
Foto: Simon Bödecker / Ohne Rüstung Leben

Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben: Mehr als 20.000 größtenteils sehr junge Menschen haben gestern (Freitag, 2. Oktober 2026) bei der "Unzwingbar"-Konzertkundgebung vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen Aufrüstung, Kriege und die drohende Wehrpflicht protestiert. 


Auf der Bühne gab es nicht nur eindringliche Redebeiträge sondern auch packende Auftritte von bekannten Musikerinnen und Musikern. Damit setzte die Konzertkundgebung ein starkes Zeichen für Zusammenhalt, gegen Aufrüstung und gegen die Wehrpflicht.

Zu Beginn waren es noch einige Tausend Menschen, im Laufe des Abends füllte sich der Platz vor dem Brandenburger Tor jedoch immer mehr. So protestierten und tanzten schließlich mehr als 20.000 friedlich zu Musik von Skuff Barby, Disarstar, Goldie 333 und Mieze. Viele Teilnehmende trugen Schilder, auf denen sie unter anderem eine Stärkung von Bildung, Gesundheit und Sozialstaat forderten.

Teilnehmende bei UNWZINGBAR am 2. Oktober 2026 in Berlin. Foto: © Andrzej Koston

Viele Teilnehmende bei der Kundgebung. Foto: © Andrzej Koston

 

Viele junge Stimmen auf der Bühne: Für eine lebenswerte Zukunft

Auf der Bühne kamen vor allem junge Menschen mit prägnanten Redebeiträgen zu Wort. Sie beleuchteten die vielen Folgen der Militarisierung unserer Gesellschaft und forderten eine lebenswerte und friedliche Zukunft. Die Politik der Bundesregierung sei ein "Schlag ins Gesicht einer ganzen Generation!", war zu hören. Viele Forderungen wurden mit begeistertem Applaus und Sprechchören angefeuert, die Aufrüstungspolitik der Bundesregierung mit ohrenbetäubenden Pfeifkonzerten kommentiert.

Auch der bekannte Satiriker Martin Sonneborn trat auf - gewohnt provokant in einer Bundeswehr-Uniformjacke. Mit klaren Worten sorgte er für zahlreiche Lacher im Publikum:


"Während sie in der Vergangenheit noch alle paar Jahre diskutiert haben, ob man euch Ballerspiele zumuten kann, haben sie jetzt kein Problem damit, euch direkt zum Ballern zu schicken!"

Martin Sonneborn, Satiriker


Satiriker Martin Sonneborn auf der UNZWINGBAR-Kundgebung. Foto: Netzwerk Friedenskooperative

Satiriker Martin Sonneborn, Foto: © Netzwerk Friedenskooperative


Mehrere Redner berichteten eindringlich von ihrer Entscheidung zur Verweigerung des Militärdienstes. So der bekannte Rüstungskritiker Jürgen Grässlin, den erst die Erfahrungen während des Wehrdienstes dazu brachten, Pazifist zu werden und zu verweigern. Aber auch Soul Tsalik, ein Aktivist und Kriegsdienstverweigerer aus Israel, erzählte in Berlin auf der Bühne  seine beeindruckende Geschichte:


"Als ich achtzehn war, wurde ich für meine Entscheidung ins Gefängnis geschickt. Freunde und Familie brachen den Kontakt zu mir ab, und ich erfahre bis heute berufliche Unsicherheit und soziale Konsequenzen."

Soul Tsalik, israelischer Kriegsdienstverweigerer

Junge Menschen standen auch bei den Redebeiträgen und der Moderation im Mittelpunkt. Foto: © Andrzej Koston

Auch moderiert wurde die Kundgebung von jungen Menschen. Foto: © Andrzej Koston

 

Dem häufig gehörten Argument, Aufrüstung und Wehrpflicht seien aufgrund der Bedrohung durch Putins Russland nun einmal nötig, begegnete Martha von der Greenpeace Jugend. Sie verwies auf die zahlreichen Studien, die eine deutliche militärische Übermacht der europäischen NATO-Staaten nachweisen. Und auf die Unsachlichkeit der Aufrüstungs-Debatte in Deutschland:


"Mit dem Angriff auf die Ukraine hat Russland ... seine Bereitschaft gezeigt, das Völkerrecht wiederholt zu brechen und das Leben hunderttausender Menschen aus Russland und der Ukraine zu opfern. Das ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen.

Aber die in Deutschland geführte Debatte über die Konsequenzen für uns ist unsachlich, hysterisch und absurd! Es ist wichtig, dass wir uns dagegen zur Wehr setzen und die Debatte versachlichen!"

Martha, Greenpeace Jugend


Publikum bei der UNZWINGBAR-Konzertkundgebung am 2. Oktober 2026 in Berlin - 20.000 Menschen waren da

Am Abend wurde es eng vor dem Brandenburger Tor. Foto: © Regine Ratke / IPPNW


"Junge Menschen wollen keine Generation Wehrpflicht sein!"

"Der eindrucksvolle Protest unter dem Motto 'Unzwingbar' zeigt: Die jungen Menschen in diesem Land wollen keine Generation Wehrpflicht sein. Sie wollen nicht zum Töten ausgebildet werden", kommentiert Annegret Krüger aus dem Veranstaltungsteam die gelungene Kundgebung.

"Hinter unserer Kundgebung steht ein breites Bündnis - von Friedensgruppen über Organisationen aus den Bereichen Seenotrettung, Klima und Gewerkschaften bis hin zu Jugendorganisationen und Schulstreikgruppen. Uns eint das Ziel, uns deutlich sichtbar gegen die Politik der Militarisierung zu stellen!"


Schülerinnen und Schüler auf der UNZWINGBAR-Bühne in Berlin. Foto: © Andrzej Koston

Schülerinnen und Schüler auf der UNZWINGBAR-Bühne in Berlin. Foto: © Andrzej Koston

 

Klare Statements von bekannten Musikerinnen und Bands

Die Auftritte der Musikerinnen und Musiker machten einen großen Teil des Programms aus. Sie spielten ohne Honorar und stellten sich mit klaren Statements gegen Krieg und Wehrpflicht. Wir sind dankbar, dass auch bekannte Künstler wie K.I.Z ("Frieden") und Disarstar ("Meine Söhne geb' ich nicht") uns so unterstützen.


"Wir haben genug von einer Politik, die junge Menschen für den Machtpoker um die Welt in Einsätze schickt. Genug von der Vorstellung, Solidarität bestehe darin, für einen Staat zu marschieren, der Milliarden in Waffen steckt, während Wohnungen fehlen, Schulen verfallen und soziale Sicherheit zur Kürzungssache erklärt wird!"

Rapper Disarstar


K.I.Z waren der letzte Auftritt des Abends - und sorgten noch einmal richtig für Stimmung. Foto: © Andrzej Koston

K.I.Z waren der letzte Auftritt des Abends - und sorgten noch einmal richtig für Stimmung. Foto: © Andrzej Koston

 

Apsilon musste seinen Auftritt leider aufgrund einer Mandelentzündung kurzfristig absagen, schickte aber eine Botschaft der Unterstützung. Die bekannten Hip-Hopper von K.I.Z traten als letzte Band des Abends auf, ihr Lied "Frieden" sorgte noch einmal für Gänsehaut, als die inzwischen dicht an dicht stehenden Menschen auf dem Platz den Refrain gemeinsam anstimmten. 

Sehr symbolträchtig war zuvor der Auftritt der bekannten Rostocker Punk-Band Dritte Wahl, die schon zu DDR-Zeiten ein Lied gegen die NVA geschrieben hatte. Eindrucksvoll auch die gemeinsame Performance des DJs "I'm DMA" - ursprünglich aus St. Petersburg - mit der Berliner Techno-Tekk-Combo "Guterzogene Asis". "I'm DMA" ist nach Deutschland gekommen, um nicht in der Ukraine kämpfen zu müssen.


Guterzogene Asis und I'm DMA gemeinsam auf der UNWZINGBAR-Bühne. Foto: © Andrzej Koston

Guterzogene Asis und I'm DMA auf der UNZWINGBAR-Bühne. Foto: © Andrzej Koston


"Wir treten zusammen auf, um zu zeigen, dass wir lieber gemeinsam Musik machen wollen, als aufeinander zu schießen."

Guterzogene Asis und I'm DMA

Gelungener, spektakulärer Brückenschlag

"Unzwingbar" war die deutschlandweit erste Konzertkundgebung gegen die Wehrpflicht - und ein spektakulärer Brückenschlag: Junge Menschen und etablierte Gruppen aus verschiedenen Spektren haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam drängende friedens- und gesellschaftspolitische Forderungen auf die Straße zu tragen. Gleichzeitig haben sich bekannte Musikerinnen und Musiker unserer Idee auf großartige Weise angeschlossen.

Ohne Rüstung Leben hat die Konzertkundgebung maßgeblich unterstützt. Wir haben von Beginn an im engen Veranstalterkreis mitgearbeitet und auch die Abläufe vor Ort in Berlin mit koordiniert. Daher freuen wir uns sehr, dass "Unzwingbar" ein solcher Erfolg war und ein außergewöhnlich großes Medienecho erfährt. Gemeinsam konnten wir eine starke Botschaft in die Öffentlichkeit tragen, vielen jungen Menschen Mut machen und zeigen, dass wichtiges politisches Engagement auch Spaß machen darf.


Weitere Informationen zur Unzwingbar-Kundgebung am 2. Oktober 2026:

 

Der Rapper Disarstar bei der Kundgebung in Berlin. Foto: © Andrzej Koston

Der Rapper Disarstar spielte vor Zahntausenden bei UNZWINGBAR in Berlin. Foto: © Andrzej Koston

 

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