Pressemitteilung - 12. Mai 2025 - UPDATE: 17. Juli 2025
Kritik bei den Hauptversammlungen von Rheinmetall, Hensoldt und Daimler Truck
Auf den Hauptversammlungen von Rheinmetall (am morgigen 13. Mai 2025), Hensoldt und Daimler Truck (beide am 27. Mai 2025) konfrontieren die "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel!", der Dachverband Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre, Facing Finance und Ohne Rüstung Leben die Unternehmensführungen mit scharfer Kritik.
Als Kritische Aktionärinnen und Aktionäre werden die Organisationen ihr Rede- und Fragerecht bei den Hauptversammlungen nutzen und so die hochproblematischen Geschäftspraktiken der Konzerne in den Fokus rücken - etwa die Beteiligung an nuklearer Aufrüstung und Exporte an Staaten, die Menschenrechte verletzen oder in völkerrechtswidrige Kriegshandlungen verstrickt sind. In einem aktuellen Briefing [PDF-Download] fordern sie ein Ende solcher Geschäfte und klare politische Rahmenbedingungen seitens der Bundesregierung.
Vor dem Hintergrund der enormen Herausforderungen für Frieden und Sicherheit in Europa kritisieren die Organisationen die einseitige Ausrichtung auf militärische Lösungen - ein Klima, das Rüstungsunternehmen gezielt für Profit und Imagepflege nutzen. Umso wichtiger sei eine kritische Zivilgesellschaft, die genau hinschaut.
Rheinmetall AG: Profite über Prinzipien
Rheinmetall zählt zu den größten Gewinnern der sogenannten "Zeitenwende": Trotz der milliardenschweren Aufträge aus Deutschland und anderen NATO-Staaten treibt der Konzern jedoch seine aggressive Internationalisierungsstrategie weiter voran. Auch um sich von deutschen Exportregeln unabhängig zu machen, etabliert Rheinmetall gezielt sogenannte "neue Heimatmärkte" - etwa in Südafrika, Ungarn und künftig den USA.
Über das südafrikanische Joint Venture RDM liefert der Konzern nicht nur Munition, sondern ganze Munitionsfabriken an Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien. In Ungarn betreibt Rheinmetall Werke zur Aufrüstung der Streitkräfte - trotz der demokratischen Rückschritte und einer russlandfreundlichen Politik unter Ministerpräsident Orbán.
In den USA baut Rheinmetall seine Präsenz gezielt aus und geht dabei eine unheilvolle Abhängigkeit mit der unberechenbaren Trump-Administration ein. "Rheinmetall entwickelt sich zum globalen Waffenproduzenten ohne Grenzen - bereit, die Nachfrage überall dort zu bedienen, wo der Preis stimmt", warnt Barbara Happe, Vorständin des Dachverbands Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre. Der Düsseldorfer Konzern baut zudem Teile für den F-35A-Tarnkappenbomber - das künftige Trägersystem für US-Atombomben in Deutschland.
"Damit beteiligt sich Rheinmetall am Bau eines Flugzeugs, das für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen vorgesehen ist und verstärkt die Gefahr einer nuklearen Eskalation in Europa" kritisiert Barbara Happe. "Über die Gefahren einer nuklearen Eskalation hinaus trägt Rheinmetall zudem maßgeblich zu einem Projekt bei, dass Deutschland und den Konzern selbst in neue Abhängigkeiten von den zunehmend unberechenbaren USA führt", so Happe weiter. Andere Länder wie Kanada prüfen bereits einen Ausstieg aus dem F-35-Programm.
Hensoldt hält fest am Geschäft in Krisenregionen
Auch der Rüstungskonzern Hensoldt hält trotz boomender Aufträge aus Deutschland und Europa an seinen Geschäften mit autoritären Regimen fest. Der Nahe Osten bleibt seine zweitwichtigste Umsatzregion. Die Standorte in Algerien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) oder Saudi-Arabien machen deutlich, dass Hensoldt bereit ist, mit Regimen zusammenzuarbeiten, die für Menschenrechtsverletzungen, Repression oder Beteiligungen an Konflikten in Libyen, dem Jemen oder Sudan bekannt sind.
Ebenso brisant ist die neue strategische Partnerschaft mit Abu Dhabi Ship Building (ADSB), einem Unternehmen der EDGE-Gruppe. EDGE ist ein staatliches Rüstungskonglomerat aus den VAE. Zur Gruppe gehören Unternehmen, die dafür bekannt sind, Waffen in Länder zu verschieben, die unter einem internationalen Embargo stehen, beispielsweise den Sudan.
"Dass Hensoldt trotz dieser alarmierenden Verstrickungen mit einem Unternehmen der EDGE-Gruppe kooperiert, zeugt entweder von völliger Unwissenheit oder Ignoranz!", so Charlotte Kehne, Referentin für Rüstungsexportkontrolle bei Ohne Rüstung Leben. "Angesichts der realen Gefahr einer unkontrollierten Weiterverbreitung von Rüstungsgütern darf es kein business as usual mit den involvierten Unternehmen und den VAE geben", so Kehne weiter.
Daimler Truck: Militärfahrzeuge für Autokraten
Obwohl Daimler Truck Mitglied im Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist und weltweit Militärfahrzeuge verkauft, vermeidet der Konzern konsequent, sich als Rüstungsunternehmen zu bezeichnen. Gleichzeitig präsentiert er sich auf der Rüstungsmesse IDEX 2025 in Abu Dhabi und exportierte 2023 Militärfahrzeuge in über 20 Länder, darunter Algerien, Saudi-Arabien und die Türkei.
Das Beispiel Algerien verdeutlich die Brisanz: Dort sollen auch Daimler-Fahrzeuge gezielt zur Verfolgung von und Abschottung vor Geflüchteten eingesetzt werden. "Daimler Truck macht Millionen mit Militärfahrzeugen, will aber nichts mit Rüstung zu tun haben - das ist Augenwischerei! Daimler Truck darf das Geschäft mit Militärfahrzeugen nicht länger unter den Teppich kehren - es bedarf öffentlicher Kontrolle und klarer Grenzen!", fordert Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands Kritischer Aktionärinnen und Aktionäre.
Weitere Informationen:
- Vertreterinnen und Vertreter der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre werden auf den Hauptversammlungen der Rheinmetall AG, der Hensoldt AG und der Daimer Truck AG sprechen und die Unternehmensführung mit ihrer Kritik konfrontieren.
- Am Tag der Rheinmetall-Hauptversammlung findet eine Protestaktion in Düsseldorf statt. Diese startet am 13. Mai 2025 um 12 Uhr vor der Rheinmetall-Konzernzentrale am Rheinmetall-Platz 1 in 40476 Düsseldorf.
Medien-Kontakte:
- Markus Duffner, Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre, E-Mail: dachverband@kritischeaktionaere.de, Tel.: 0221 599 56 47
- Barbara Happe, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, E-Mail: dachverband@kritischeaktionaere.de, Tel.: 0221 599 56 47
- Charlotte Kehne, Ohne Rüstung Leben, E-Mail: orl-kehne@gaia.de, Tel.: 0711 62039372
UPDATE (17. Juli 2025): Rückblick auf die Hauptversammlungen
Die Kritischen Aktionär*innen haben die Rüstungsunternehmen auf ihren Hauptversammlungen mit Kritik konfrontiert und so dafür gesorgt, dass beispielsweise die Beteiligung an nuklearer Aufrüstung und Exporte an menschenrechtsverletzende oder völkerrechtswidrig agierende Staaten nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die Antworten zeigen jedoch, dass die Rüstungsunternehmen an solch hochproblematischen Geschäftspraktiken festhalten:
Rheinmetall: F-35-Fertigung und Produktion in Ungarn
Rheinmetall beteiligt sich am Bau des F-35A-Tarnkappenbombers – dem künftigen Trägersystem für US-Atombomben in Deutschland. Auf unsere Kritik erwiderte Rheinmetall, man halte an dem Geschäft fest. Schließlich habe man einen Auftrag und viel investiert, so der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger. Mittlerweile wurde das eigens dafür hochgezogene neue Rheinmetall-Werk in Weeze eröffnet. Noch in diesem Sommer soll die Fertigung von mindestens 400 Rumpfmittelteilen für das Kampfflugzeug F-35 Lightning II anlaufen – Deutschland hat 35 Flugzeuge bestellt.
Mit Blick auf die Aktivitäten in Ungarn zeigte sich, dass es sich Rheinmetall bei der Bewertung von Empfängerländern recht einfach macht. Angesprochen auf die Widersprüchlichkeit, einerseits die Unterstützung der Ukraine als "Herzensanliegen" zu bezeichnen, gleichzeitig jedoch die Rüstungsproduktion in Ungarn unter einem russlandfreundlichen Präsidenten Orban auszubauen, betonte der Konzern lediglich die EU- und NATO-Mitgliedschaft Ungarns.
Hensoldt: Beschwichtigende Worte, aber keine Klarheit
Hensoldt beschwichtigte mit Blick auf die strategische Partnerschaft mit einem Unternehmen der EDGE-Gruppe, schloss Kooperationen jedoch nicht aus. Es handele sich lediglich um eine Absichtserklärung. Konkrete Entscheidungen unterlägen weiteren Prüfungen. Zur EDGE-Gruppe gehören Unternehmen, die dafür bekannt sind, Waffen in Länder zu verschieben, die unter einem internationalen Embargo stehen.
Beunruhigend ist zudem die Ankündigung, dass innerhalb der sogenannten "North Star Strategie" ein Fokus auf Indien gelegt werden soll. Gemäß der Strategie möchte Hensoldt zukünftig die Hälfte seines Geschäftes in Deutschland, weitere 30 Prozent in Europa und die verbleibenden 20 Prozent außerhalb dieser Regionen erwirtschaften – und in diesem Bereich anscheinend auch in Indien. Die Rüstungsexport-Datenbank des Bonn International Centre for Conflict Studies (bicc) bewertet Indien in Hinblick auf die Kriterien des Gemeinsamen Standpunkts für Rüstungsexporte in sieben von acht Kriterien als kritisch oder möglicherweise kritisch.
Daimler Truck: Empfängerländer werden nicht mehr offengelegt
Daimler Truck verkündete, dass die Nachfrage an Militärfahrzeugen durch den aktuellen sicherheitspolitischen Kontext steigen wird, legte die Empfängerländer seiner Militärfahrzeuge für 2024 jedoch gar nicht mehr offen. Nachdem der Konzern im letzten Jahr Empfängerländer genannt hatte, kehrte Daimler Truck somit wieder zu der bereits in den Vorjahren vorherrschenden Intransparenz zurück. Das ist ein fataler Rückschritt. 2023 waren unter den Empfängern etwa Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien.
Mehr Informationen
Briefing: Neue Normalität. Unsere Kritik an den Rüstungsfirmen Rheinmetall, Hensoldt und Co
[PDF-Download, 1,1 MB]
Studie: Deutsche Rüstungsexporte - europäische und internationale Verpflichtungen
[PDF-Download, 2,9 MB]
Ohne Rüstung Leben ist Mitglied im Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und nutzt schon seit den frühen 1990er-Jahren regelmäßig das Rede- und Fragerecht bei den Hauptversammlungen von Rüstungsunternehmen.
Die Rheinmetall AG aus Düsseldorf ist Deutschlands größter Rüstungskonzern. In der Rüstungssparte "Rheinmetall Defence" werden Munition, Panzer, Waffen, Militärfahrzeuge und elektronische Lösungen angeboten.
Auf unserer Themenseite finden Sie alle bisherigen Meldungen und aktuellen Nachrichten zu den Rüstungsexporten der Rheinmetall AG.
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