Nachrichten - 17. Juli 2026
Von Rheinmetall bis Hecker & Koch - kritischer Rückblick auf die Hauptversammlungen 2026
Als Teil der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat Ohne Rüstung Leben auch in diesem Jahr die Hauptversammlungen großer deutscher Rüstungskonzerne besucht. Dort haben wir die Vorstände mit Kritik konfrontiert und Nachfragen gestellt. In dieser Zeit des Rüstungsbooms ist das so wichtig, wie lange nicht mehr. Unsere Erkenntnisse von den Hauptversammlungen 2026 im Überblick.
Daimler Truck AG
Hauptversammlung am 6. Mai 2026
Noch im vergangenen Jahr hieß es, Daimler Truck sei kein Rüstungsbetrieb und wolle auch keiner werden. Das hat sich offensichtlich geändert. Das Defence-Geschäft gilt nun als ein zentraler Wachstumstreiber der nächsten Jahre und eine "Chance für unser Geschäft". Mitte Juni verkündete der Konzern schließlich, sein Rüstungsgeschäft unter der neuen Dachmarke "Daimler Truck Defence" zu bündeln.
Die konkreten Empfängerländer seiner Militärfahrzeuge benennt Daimer Truck jedoch weiterhin nicht. Auf unsere Rückfragen hin hieß es lediglich, man habe 2025 konzernweit militärische Fahrzeuge mit einem Wert im niedrigen dreistelligen Millionenbereich exportiert; eine Hälfte davon sei auf Geschäfte mit EU und NATO-Staaten gefallen, die andere Hälfte auf Geschäfte mit Drittstaaten. Insgesamt wurde demnach in 32 Länder exportiert - konkret benennt der Konzern jedoch nur die Ukraine.
Auf unsere Kritik an der Kooperation mit dem französischen Rüstungsunternehmen Arquus reagierte Daimler Truck abwehrend. Bereits 2018 veröffentlichte Amnesty International eine Recherche, nach der von Renault Trucks Defense (heute: Arquus) hergestellte Militärfahrzeuge von Ägypten bei brutalen Repressionen im Arabischen Frühling eingesetzt wurden. Auf unsere Fragen dazu hieß es lapidar, die konkreten Berichte seien dem Vorstand bei Abschluss der Partnerschaft nicht bekannt gewesen. Man bekenne sich zu den Menschenrechten.
Rheinmetall AG
Hauptversammlung am 12. Mai 2026
Während einige Rüstungsunternehmen in früheren Jahren auf unsere Nachfrage hin Listen von Empfängerländern vorlasen, verweigern mittlerweile fast alle konkrete Auskünfte dazu. So auch im Falle von Deutschlands größtem Rüstungskonzern Rheinmetall. Wir haben dennoch nachgehakt - unter anderem zu den Kunden des südafrikanischen Rheinmetall-Tochterunternehmens RDM. Der Vorstand erklärte daraufhin, aus vertraglichen Gründen keine Antwort geben zu können.
Die Kunden selbst sind teilweise durchaus auskunftsfreudiger. So hat RDM Medienberichten zufolge Maschinen zur Herstellung von Geschossen nach Indonesien geliefert - laut Kundenangaben ohne Auflagen für den Export der damit hergestellten Geschosse. Auch in Indien soll Rheinmetall die Strategie verfolgen, eine Produktion vor Ort zu ermöglichen. Doch auch zu diesem Vorwurf wollte sich der Vorstand nicht äußern. Bei unseren südlichen Nachbarn hat unterdessen für Aufmerksamkeit gesorgt, dass die Schweizer Tochter Rheinmetall Air Defence in Indien weiterhin aufgrund von Korruptionsvorwürfen auf einer schwarzen Liste steht. Das bestätigte der Vorstand.
Weiterhin verfolgt Rheinmetall den Einstieg in die US-amerikanische Rüstungsproduktion. In der Präsentation der Bilanzpressekonferenz heißt es dazu: "Rheinmetall ist in einer hervorragenden Position, um die USA bei der Auffüllung ihrer Raketenvorräte zu unterstützen". Als wir ihn auf den völkerrechtswidrigen Angriff der USA auf den Iran und seine unternehmerischen Sorgfaltspflichten ansprachen, antwortete der Vorstand lediglich, ungeachtet aktueller Diskussionen sei die USA weiterhin NATO-Partner und alle Regeln würden eingehalten.
Hensoldt AG
Hauptversammlung am 22. Mai 2026
Mit Blick auf ihre Kunden gibt sich auch die Hensoldt AG eher zugeknöpft. Zwei Drittel des Umsatzes entfielen 2025 auf Geschäfte in Deutschland. Unsere Nachfragen zum Auftragsbestand in bestimmten Regionen brachten punktuell etwas Klarheit. So bestätigte der Vorstand, dass sich der Auftragsbestand der Hensoldt AG für Produkte und Dienstleistungen mit Endverbleib in der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) zum Stichtag 31. Dezember 2025 auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag belief.
Für Saudi-Arabien wurde ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag genannt, für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag. Insgesamt will Hensoldt künftig 50 Prozent des Umsatzes auf dem deutschen, 30 Prozent auf dem europäischen Markt und die restlichen 20 Prozent auf globalen Märkten erwirtschaften. Auf unsere Frage erklärte der Vorstand zudem, die Hälfte des Gesamtumsatzes von Hensoldt Südafrika entfalle auf Länder der MENA-Region, insbesondere Saudi-Arabien und die VAE. Beide Länder werden vom Freedom House Index als "nicht frei" bewertet.
Immerhin: Mit Blick auf die strategische Partnerschaft mit einem Unternehmen der EDGE-Gruppe, die wir seit mehreren Jahren kritisieren, erklärte der Vorstand, dass es seit der Ankündigung lediglich Angebote für Schiffsradare für die VAE von Hensoldt Südafrika gab. Verträge wurden bisher nicht geschlossen. Zur EDGE-Gruppe gehören Unternehmen, die dafür bekannt sind, Waffen in Länder zu verschieben, die unter einem internationalen Embargo stehen. Wir werden die weiteren Entwicklungen sehr kritisch beobachten.
Heckler & Koch AG
Hauptversammlung am 7. Juli 2026
Auf der Hauptversammlung lenkten wir den Blick auf ein Thema, das Heckler & Koch in der deutschen Debatte augenscheinlich klein halten möchte: Waffenverkäufe an Privatpersonen in den USA machen mittlerweile ein Viertel des Konzernumsatzes aus. Das ist deutlich mehr als der Umsatz, den Heckler & Koch 2025 mit der Bundeswehr erwirtschaftete (15%). Rabattangebote unter dem Motto "Magapalooza" erinnerten rein zufällig an die MAGA-Bewegung von US-Präsident Trump, verteidigte sich der Vorstand. Und: Man befinde sich in einem klar regulierten Markt zur zivilen Selbstverteidigung.
Mit Blick auf die Empfängerländer seiner Waffen ist Heckler & Koch auskunftsfreudiger als andere Rüstungsunternehmen. Stolz wird im Geschäftsbericht darauf verwiesen, dass ausschließlich "grüne" – also aus Sicht von Heckler & Koch unbedenkliche – Länder beliefert werden. Die Hauptversammlung zeigte jedoch: Auch Länder wie Katar werden vom Vorstand als "unbedenklich" eingestuft, schließlich sei das Emirat Sicherheits- und Stabilitätspartner Deutschlands. Politische und menschenrechliche Situation scheinen dabei keine Rolle zu spielen.
Eine gute Nachricht gab es im Fall Mexiko: Jahrelang war Heckler & Koch gegen die vom Bundesgerichtshof längst bestätigte Millionenzahlung wegen illegaler Exporte nach Mexiko vorgegangen. Diese sei "unverhältnismäßig". Auf drängende Nachfragen der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre erklärte der Vorstand nun beiläufig, er habe die Zahlung in Höhe von 3,7 Millionen Euro mittlerweile geleistet. Dass vom ersten Urteil bis zur Zahlung jedoch sieben Jahre vergehen mussten, lässt tief blicken in das Verantwortungsbewusstsein des bekanntesten deutschen Kleinwaffenherstellers.
Die Kontext-Wochenzeitung berichtet ausführlich über unsere Kritik an Heckler & Koch.

Ohne Rüstung Leben ist aktives Mitglied im Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und nutzt schon seit den frühen 1990er-Jahren regelmäßig das Rede- und Fragerecht bei den Hauptversammlungen von Rüstungsunternehmen.
Mehr Informationen
Kontext-Wochenzeitung: Magapalooza in Oberndorf
Beitrag von Charlotte Kehne (Ohne Rüstung Leben) im "IMI Ausdruck 125" [PDF-Download]
Mehr zu den Hauptversammlungen beim Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
Material zum Thema
Briefing: Unsere Kritik an Rheinmetall, Daimler Truck & Hensoldt
[PDF-Download, 1,7 MB]
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