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Nachrichten - 6. Juli 2026

Atomares Wettrüsten: "Atomwaffenstaaten tragen Verantwortung für Krise der Nichtverbreitung"

Statistik der weltweiten Atomwaffen-Arsenale im Januar 2026

Nach dem erneuten Scheitern der Überprüfungskonferenz zum atomaren Nichtverbreitungsvertrag wird deutlich, dass die Atomwaffenstaaten immer neue Milliardensummen in ihre Arsenale pumpen. Friedensforscherinnen und -forscher warnen, die weltweite Zahl der Atomsprengköpfe werde steigen. Ein Überblick der aktuellen Entwicklungen.


Überprüfungskonferenz 2026 zum Nichtverbreitungsvertrag (NVV/NPT) ohne Ergebnis

Die 11. Überprüfungskonferenz des atomaren Nichtverbreitungsvertrages ist im Mai 2026 in New York erneut ohne gemeinsames Abschlussdokument zu Ende gegangen. Wie schon 2015 und 2022 scheiterten die Vertragsstaaten daran, sich auf konkrete Schritte zur nuklearen Abrüstung zu einigen. Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) sieht die Atomwaffenstaaten und ihre Verbündeten dabei als stärkste Blockierer.

"Das Scheitern der Konferenz spiegelt die zunehmende Krise des internationalen Abrüstungsregimes wider. Während in New York über Abrüstung verhandelt wurde, testeten Russland und die USA atomwaffenfähige Raketen und Belarus übte den Einsatz von Atomwaffen. Gleichzeitig modernisieren nahezu alle Atomwaffenstaaten ihre Arsenale und bauen die Rolle nuklearer Abschreckung in ihren Militärstrategien weiter aus", kritisiert ICAN Deutschland


"Hauptverantwortung liegt bei den Atomwaffenstaaten"

Forderungen, die katastrophalen humanitären Folgen eines Atomwaffeneinsatzes stärker in den Mittelpunkt zu rücken, wurden von den Atomwaffenstaaten abgeblockt. Mehrere atomwaffenfreie Staaten kritisierten zudem, dass bereits vereinbarte Abrüstungsverpflichtungen infrage gestellt werden. Das untergrabe die Glaubwürdigkeit des NVV. Auch die Modernisierung der Atomwaffenarsenale, die nukleare Teilhabe innerhalb der NATO sowie die zunehmende Normalisierung nuklearer Abschreckung wurden scharf kritisiert.

Dass sich die Staaten des NVV erneut nicht auf ein gemeinsames Abschlussdokument einigen konnten, zeigt für viele der atomwaffenfreien Staaten vor allem eines: Dass es an politischem Willen der Atomwaffenstaaten fehle, ihre Abrüstungsverpflichtungen glaubwürdig umzusetzen. Besonders deutlich formulierte dies Kanada in seiner Stellungnahme: Die Hauptverantwortung für die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit des Vertrags liege bei den Atomwaffenstaaten.


SIPRI: Weltweite Atomwaffenarsenale werden ausgebaut und modernisiert

Diese Staaten tun jedoch genau das Gegenteil, wie das Jahrbuch 2026 des renommierten schwedischen Friedensforschungsinstitutes SIPRI zeigt: Demnach setzten die Vereinigten Staaten, Russland, das Vereinigte Königreich, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel ihre Programme zur Modernisierung und Aufrüstung der Atomwaffenarsenale auch 2025 fort. Die meisten von ihnen nahmen im Laufe des Jahres neue atomwaffenfähige Waffensysteme in Betrieb.

Weltweit existierten im Januar 2026 schätzungsweise 12.187 atomare Sprengköpfe, 9.745 davon in aktiven militärischen Beständen. Schätzungsweise 4.012 dieser Sprengköpfe waren für den Einsatz auf Raketen oder Flugzeugen stationiert, der Rest befand sich in zentralen Lagern. Rund 2.100 bis 2.200 der nuklearen Sprengköpfe standen auf ballistischen Raketen für einen sofortigen Einsatz bereit. Der größte Teil davon gehörte Russland und den USA, einige auch Frankreich und dem Vereinigten Königreich.


Zahl der weltweiten Atomwaffen wird bald wieder steigen

Neu ist, dass nun auch China und Indien die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, in Friedenszeiten atomar bestückte Raketen einsatzbereit zu halten. SIPRI-Direktor Karim Haggag warnt davor, verstärkt auf Atomwaffen als sicherheitspolitisches Instrument zu setzen. Dadurch erhöhe sich das Risiko eines Atomkrieges. Weitere Gefahren sieht er "aufgrund von Fortschritten in der Waffentechnologie, dem Zusammenbruch der Rüstungskontrolle und verschärften geopolitischen Spannungen".

Seit dem Ende des Kalten Krieges verzeichnete SIPRI eine sinkende Gesamtzahl der weltweiten Atomwaffen. Das lag insbesondere am schrittweisen Abbau einer großen Zahl ausgemusterter Sprengköpfe durch Russland und die USA - hierdurch wurde die Aufrüstung in anderen Ländern statistisch übertroffen. Nun zeichnet sich eine beunruhigende Trendwende ab: Das nukleare Wettrüsten wird laut SIPRI dazu führen, dass die Zahl der weltweiten Atomwaffen in den kommenden Jahren wieder ansteigt.

 
ICAN: Ausgaben für Atomwaffen erreichen 119 Milliarden Dollar pro Jahr

Das Ausmaß dieses Wettrüstens zeigt die Studie "Nuclear Weapons Spending 2025" von ICAN. Demnach gaben die neun Atomwaffenstaaten im vergangenen Jahr 19 Prozent mehr für ihre Atomwaffenarsenale aus als im Vorjahr – insgesamt 119 Milliarden US-Dollar. Das sind 3.768 Dollar pro Sekunde für Atomwaffen. Die Vereinigten Staaten verzeichneten den größten Anstieg und gaben mit 69,2 Milliarden US-Dollar mehr aus als alle anderen Atomwaffenstaaten zusammen.

Die 25 größten Unternehmen, die an der Entwicklung und Wartung von Atomwaffen arbeiten, erzielten 2025 mindestens 38 Milliarden US-Dollar mit Aktivitäten in diesem Bereich. Sie verfügen zudem über ausstehende Aufträge im Wert von mindestens 394 Milliarden US-Dollar. Die Unternehmen zahlten zudem laut ICAN mehr als 138 Millionen US-Dollar an Lobbyisten in Frankreich und den Vereinigten Staaten, um ihre Interessen zu vertreten. Außerdem führten sie 226 Treffen mit hochrangigen britischen Beamten durch.


Forderung nach Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag

Den wachsenden Investitionen in Atomwaffen steht eine zunehmende Unterstützung für das Verbot aller Atomwaffen gegenüber: Mittlerweile haben 99 Länder den UN-Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) unterzeichnet, ratifiziert oder sind ihm beigetreten. Als deutsche ICAN-Partnerorganisation fordert Ohne Rüstung Leben von der deutschen Bundesregierung und dem Bundestag, Atomwaffen als Mittel der Politik zu ächten und einen deutschen Beitritt zum AVV einzuleiten!

 

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Die Vereinten Nationen haben einen Atomwaffenverbotsvertrag ausgehandelt und durch die insgesamt 122 teilnehmenden Staaten verabschiedet. Am 22. Januar 2021 trat der Vertrag in Kraft.

Auf unserer Themenseite finden Sie alle Nachrichten zum Atomwaffenverbotsvertrag.

 

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