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Nachrichten - 20. Juni 2024

Neue Studien: Weltweit steigende Investitionen in nukleare Aufrüstung

Atomwaffen weltweit - Stand 2024
Die weltweiten nuklearen Arsenale im Januar 2024. Quelle: SIPRI-Jahrbuch

Zwei neue Studien zeigen: Die Atommächte investieren weltweit Milliarden, um ihre Arsenale auszubauen. Und die Zahl der einsatzbereiten oder sogar in Alarmbereitschaft gehaltenen Atomwaffen wächst. Aus den besorgniserregenden Zahlen sticht besonders China hervor.

 



ICAN: Weltweite Ausgaben für Atomwaffen bei 91,4 Milliarden Dollar


Der neue ICAN-Report "Surge: 2023 Global nuclear weapons spending" erfasst die weltweiten Ausgaben für Atomwaffen. Demnach gaben die neun Atomwaffenstaaten im Jahr 2023 insgesamt 91,4 Milliarden US-Dollar für ihre Arsenale aus - das entspricht 2.898 Dollar pro Sekunde und bedeutet einen deutlichen Anstieg gegenüber 2022 (80,7 Milliarden Dollar).

Die mit Abstand größten Ausgaben entfallen auf die USA (51,5 Milliarden), hier ist auch der größte Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu beobachten. Darauf folgen China (11,8 Milliarden), Russland (8,3 Milliarden) und Großbritannien (8,1 Milliarden Dollar). In den letzten 5 Jahren sind die Ausgaben für Atomwaffen um 34 Prozent gestiegen, da alle neun Atomwaffenstaaten ihre Arsenale weiter modernisieren und in einigen Fällen sogar erweitern.


Hunderte Millionen für Atomwaffen-Lobbyisten

ICAN hat auch untersucht, wer von den Milliardenausgaben profitiert - und stieß auf interessante Erkenntnisse. Demnach geben die Atomwaffenhersteller hohe Millionenbeträge aus, um mit Hilfe von Lobbyisten und Think Tanks die Regierungspolitik und die Einstellung der Öffentlichkeit zu Atomwaffen zu beeinflussen.

Alicia Sanders-Zakre, Mitverfasserin der Studie, nennt diese Entwicklung eine globale Bedrohung. Nicht nur sind Atomwaffen eine humanitäre Gefahr. Mit den Milliarden, die weltweit für Atomwaffen ausgegeben werden, könnten die Staaten auch lebenswichtige Dienstleistungen für ihre Bürgerinnen und Bürger bereitstellen oder dazu beitragen, existenzielle globale Krisen zu bewältigen.

Zum vollständigen Report von ICAN (Englisch)

 


 

SIPRI-Jahrbuch: Zahl der einsatzbereiten Atomwaffen steigt weiter


Nahezu zeitgleich mit ICAN hat das schwedische Friedensforschungsinstitut SIPRI in seinem "Jahrbuch 2024" Zahlen zu den nuklearen Arsenalen veröffentlicht. Auch SIPRI stellt fest, dass die Atommächte verstärkt auf nukleare Abschreckung setzen. In fast allen nuklear bewaffneten Staaten gibt es entweder Pläne oder erhebliche Bestrebungen, die Nuklearstreitkräfte auszubauen.

"Während die Gesamtzahl der nuklearen Sprengköpfe weltweit sinkt, da die Waffen aus der Ära des Kalten Krieges allmählich abgebaut werden, steigt die Zahl der einsatzbereiten nuklearen Sprengköpfe weiterhin von Jahr zu Jahr an", sagt SIPRI-Direktor Dan Smith. Dieser Trend sei besorgniserregend. Weltweit gibt es demnach 12.121 Atomwaffen. Noch immer verfügen Russland und die USA zusammen über fast 90 Prozent davon, ihre Bestände wurden zahlenmäßig sogar etwas kleiner.


China hält erstmals Atomwaffen in hoher Einsatzbereitschaft

Anders in China, dessen Arsenal von 410 Sprengköpfen im Januar 2023 auf 500 im Januar 2024 wuchs. "China baut sein Atomwaffenarsenal schneller aus als jedes andere Land", sagt Hans M. Kristensen, Associate Senior Fellow des SIPRI-Programms für Massenvernichtungswaffen. Neu ist, dass Peking nun auch in Friedenszeiten atomare Sprengköpfe in hoher Einsatzbereitschaft halten soll.

Die Kriege in der Ukraine und in Gaza bedrohen laut SIPRI die nukleare Diplomatie: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verweisen auf russische Atom-Manöver an der ukrainischen Grenze und auf die Ankündigung von Großbritannien, künftig keine Informationen mehr über die Zahl seiner Atomwaffen zu veröffentlichen: "Seit dem Kalten Krieg haben Atomwaffen in den internationalen Beziehungen keine so große Rolle mehr gespielt".

Pressemitteilung und Kapitel zu Atomwaffen im SIPRI-Jahrbuch 2024 (Englisch)

 


 

Atomwaffen werden niemals zu Frieden und Sicherheit führen

Ohne Rüstung Leben setzt sich als offizieller deutscher ICAN-Partner dafür ein, die vermeintliche "Logik" der nuklearen Abschreckung zu entkräften und die humanitären Konsequenzen von Atomwaffen stärker ins Bewusstsein von Politik und Gesellschaft zu bringen. Wir fordern ein nuklearwaffenfreies Deutschland und die weltweite Umsetzung des UN-Atomwaffenverbotes.

Denn Atomwaffen bedrohen unsere Sicherheit allein durch ihre Existenz. Ihr Einsatz hätte schreckliche humanitäre Folgen. Unabhängig von den Kriegen unserer Zeit muss daher klar sein: Eine Politik, die vollständige gegenseitige Vernichtung als Option in Kauf nimmt, wird niemals zu Frieden und Sicherheit führen!

 

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Die Vereinten Nationen haben einen Atomwaffenverbotsvertrag ausgehandelt und durch die insgesamt 122 teilnehmenden Staaten verabschiedet. Am 22. Januar 2021 trat der Vertrag in Kraft.

Auf unserer Themenseite finden Sie alle Nachrichten zum Atomwaffenverbotsvertrag.

 

Ohne Rüstung Leben ist offizieller deutscher ICAN-Partner

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